Ausnahmezustand Borderline

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Das Leben von Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung ist von Stimmungsschwankungen, Konflikten und Krisen geprägt. Oft nehmen die Betroffenen auch Alltagssituationen anders wahr als Gesunde. Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung haben häufig eine lange Geschichte von unglücklichen Liebesbeziehungen, Trennungen und Versöhnungen hinter sich. Auch ihre Freundschaften laufen nach einem ähnlichen Muster ab: Mal stehen sie einer bestimmten Person sehr nahe, verbringen viel Zeit mit ihr und idealisieren sie, dann wiederum verkrachen sie sich so sehr, dass die Freundschaft in die Brüche geht. Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen sind das hartnäckigste Symptom der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS).

Die Beziehungsprobleme hängen damit zusammen, dass Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung sehr intensive Gefühle erleben: Schon Kleinigkeiten können bei ihnen große Angst, Schuld, Scham, Wut, Traurigkeit oder ausgeprägten Selbsthass hervorrufen. Solche Emotionsausbrüche treten mehrmals täglich auf und wechseln sich oft sehr schnell ab. Sie sind nicht nur stärker als die von gesunden Menschen, sondern halten auch länger an, weswegen sie sich mitunter überlagern und aufaddieren. Dadurch gelangen die Betroffenen in einen höchst unangenehmen Zustand diffuser Anspannung, den sie keinem bestimmten Gefühl mehr zuordnen können – und so schnell wie möglich beenden möchten.

In einer 2016 veröffentlichten Metaanalyse ging man der Frage nach, inwiefern das Gehirn von Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung emotionale Reize anders verarbeitet als das von Gesunden. Gemeinsam mit Lars Schulze von der Freien Universität Berlin werteten wir 19 Studien mit funktioneller Magnetresonanztomografie aus. Das Ergebnis: Die linke Amygdala der Patienten reagiert stärker auf negative Bilder, Wörter und Gesichter als die von gesunden Probanden. Diese Hirnregion arbeitet entscheidend an der Entstehung von Gefühlen mit. Zusätzlich weisen die Betroffenen im Vergleich zu Gesunden einen weniger aktiven dorsolateralen präfrontalen Kortex auf, der bei der Regulation von Gefühlen eine Schlüsselrolle einnimmt. Das könnte erklären, weshalb es ihnen nur schlecht gelingt, adäquat mit ihrer Anspannung und ihren starken Emotionen umzugehen.

Oft dämpfen die Patienten ihre heftigen Emotionen auf ungesunde Weise: Zum Beispiel verletzen sie sich selbst, konsumieren exzessiv Alkohol oder andere Drogen, fahren riskant Auto, geben unkontrolliert Geld aus oder essen übermäßig viel. Ein solches Verhalten kann die innere Anspannung tatsächlich kurzzeitig abmildern. Langfristig schadet es jedoch dem Körper, der finanziellen Situation oder dem Berufserfolg.

Durch die intensiven Gefühle der Patienten einerseits sowie die fehlenden Fertigkeiten, diesen angemessen zu begegnen, andererseits entsteht eine permanente emotionale Instabilität. Sie kann Beziehungen belasten, manchmal aber auch bereichern. In der Therapie reden wir zwar meist über die Schattenseiten, die diese „Achterbahn der Gefühle“ mit sich bringt. Gleichzeitig empfinden jedoch viele, die mit einem Betroffenen zusammenarbeiten oder zusammenleben, die Verbindung als sehr tief und lebendig.

Wenn wir mit unseren Mitmenschen interagieren, ist es besonders wichtig, die eigenen Gefühle benennen und beeinflussen zu können. Wir äußern unsere Empfindungen, Bedürfnisse und Wünsche, damit andere uns verstehen. Ebenso schätzen wir ein, was das Gegenüber fühlt, denkt und möchte. Wir steuern, wie nah uns jemand kommen soll, und wissen, wann wir Distanz brauchen. Wir müssen Konflikte austragen und mit Enttäuschung und Zurückweisung umgehen. All diese Situationen überfordern Borderline-Patienten. Sie reagieren dann beispielsweise gereizt und wütend oder ziehen sich zurück. Johanna Hepp vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim und Kollegen erfassten in einer 2017 veröffentlichten Studie mit Hilfe einer Smartphone-App 27 Tage lang mehrmals täglich das Befinden von Betroffenen. Die Ergebnisse machen den Teufelskreis deutlich, aus dem die Patienten nur schwer aussteigen können: So gaben viele Befragte an, sich momentan wütend oder traurig zu fühlen. Das führte dazu, dass sie häufig in Streit mit anderen gerieten oder von diesen zurückgewiesen wurden, was wiederum ihre negativen Emotionen verstärkte.

Ebenso sitzt die Angst, abgelehnt oder ausgeschlossen zu werden, tief in den Köpfen der Patienten. Sie haben oft das Gefühl, nicht dazuzugehören und „anders“ zu sein. Daher erwarten sie regelrecht, ausgegrenzt zu werden, wie eine Studie von Babette Renneberg und ihren Kollegen von der Freien Universität Berlin ergab. Experimente der Arbeitsgruppe mit einem virtuellen Ballspiel machen deutlich, dass sich Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung schneller ausgeschlossen fühlen als Gesunde. Bei diesem Spiel namens „Cyberball“ werfen sich der Versuchsteilnehmer und zwei Mitspieler einen Ball zu. Dabei manipulieren die Wissenschaftler, wie häufig der Proband den Ball erhält. Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung fühlten sich selbst dann ungerecht behandelt, wenn sie objektiv ebenso häufig zum Zug kamen wie die anderen Teilnehmer. Eine Analyse ihrer Gesichtsmuskeln offenbarte zudem, dass sie während der Partie seltener lächelten und häufiger einen uneindeutigen Gesichtsausdruck zeigten als Gesunde. Das könnte im realen Leben zu Missverständnissen führen und Konflikte begünstigen oder verschärfen.

Fehlalarm im Gehirn

Bildgebende Untersuchungen während des Cyberball-Spiels deuten darauf hin, dass das Gehirn von Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung besonders empfindlich auf Ausgrenzung reagiert. Wurden die Probanden von ihren Mitspielern übergangen, war ihr präfrontaler Kortex stärker aktiv als der von gesunden Personen. Doch selbst wenn die anderen sie fair behandelten, feuerten die Neurone in dieser Hirnregion sowie im dorsalen anterioren Zingulum übermäßig. Das Gehirn der Patienten ist offenbar außerordentlich wachsam gegenüber sozialem Ausschluss – und schlägt auch dann Alarm, wenn eigentlich alles gerecht abläuft. Reagieren die Betroffenen auf die gefühlte Zurückweisung dann wütend oder abweisend, mündet das oft in gegenseitigen Beschuldigungen und Streit, weil die Mitmenschen die Reaktion nicht verstehen können.

Eine Therapeutin berichtete uns einmal, wie sie eine Patientin mit Borderline-Persönlichkeitsstörung an der Tür begrüßt und diese noch beim Eintreten gesagt habe: „Sie sind aber mies drauf heute. Sind Sie sauer auf mich?“ Die Therapeutin war an dem Tag tatsächlich schlecht gelaunt, jedoch hatte das überhaupt nichts mit der Klientin zu tun. Wir waren damals verblüfft, wie die Patientin innerhalb von Sekunden bemerken konnte, dass etwas nicht stimmte – und es dann direkt auf sich bezog. Sind Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung also ausgesprochen gut darin, die Emotionen anderer wahrzunehmen? Nein. Verschiedene Experimente haben gezeigt, dass sie sogar mehr Fehler machen, wenn sie die Gefühle und Beweggründe ihrer Mitmenschen einschätzen sollen. Beispielsweise deuten sie neutrale oder fröhliche Gesichtsausdrücke im Vergleich zu Gesunden eher als wütend oder traurig. Dadurch sind Missverständnisse vorprogrammiert. Außerdem interpretieren sie manchmal zu viel in die Gefühlsäußerungen von anderen hinein, so wie die oben erwähnte Patientin die schlechte Laune ihrer Therapeutin auf sich bezog.

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Gezeigt sind die aktiven Gehirnbereiche von Borderline Betroffenen beim Anblick negativer Bilder

Gehirne von Borderline-Patienten zeigen veränderte Aktivität
Die linke Amygdala von Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung reagiert stärker (rot) auf negative Bilder als die von gesunden Probanden. Der dorsolaterale präfrontale Kortex ist bei den Betroffenen dagegen beidseitig weniger aktiviert (blau) als bei Kontrollpersonen. Die Grafik zeigt beide Hemisphären jeweils von außen (obere Abbildungen), von der Mitte (unten) sowie von vorne (Mitte).

Gleichzeitig lassen sich die Betroffenen unter bestimmten Bedingungen leichter von den negativen Gefühlen ihrer Mitmenschen anstecken. Wir präsentierten Probanden mit und ohne BPS kurze Videosequenzen, in denen eine Person ein dramatisches Ereignis schilderte, etwa einen Autounfall. Ihre Emotionen konnte man dabei sowohl an ihrer Mimik und Stimme als auch am Inhalt des Gesagten erkennen. Im Vergleich zu Gesunden fiel es den Patienten schwerer, korrekt einzuschätzen, was die Person im Video empfand. Dementsprechend fühlten sie nach eigenen Angaben auch weniger mit ihr mit. Berichtete jemand hingegen über ein neutrales Thema (beispielsweise Spagettikochen), wobei Gesichtsausdruck und Tonfall allerdings auf ein Gefühl hindeuteten, konnten die Patientinnen das Gefühl stärker nachempfinden. Das bedeutet: Die emotionale Tönung, also wie etwas gesagt wurde, hat den Inhalt überschattet. Ein weiterer Grund für die Schwierigkeiten in Beziehungen ist die übermäßige Sorge der Betroffenen, verlassen zu werden. Wird die Angst sehr groß, unternehmen sie alles Mögliche, um eine Trennung zu verhindern. Ein Beispiel: Der Partner einer Patientin arbeitet ein paar Abende länger als gewöhnlich. Daher befürchtet sie, er könne eine Affäre haben. Sie versucht daraufhin, seine Handynachrichten zu kontrollieren oder dafür zu sorgen, dass er die Wohnung in seiner Freizeit nur noch selten verlässt. Reagiert er sauer, weil er sich in seiner Freiheit eingeschränkt fühlt, sieht die Patientin das als Bestätigung, dass er wirklich etwas zu verbergen hat. Das führt zu Streit. Trennt sich deshalb der Partner von ihr, bestärkt das die Überzeugung der Patientin: „Menschen sind unzuverlässig, und ich bin ständig in Gefahr, verlassen zu werden.“ In die nächste Beziehung geht sie möglicherweise noch misstrauischer.

Auch die Befunde eines Strategiespiels aus der Verhaltensökonomie weisen darauf hin, dass es Borderline Patienten schwerfällt, Mitmenschen dauerhaft zu vertrauen. In diesem Spiel darf zunächst einer von zwei Spielern vorschlagen, wie ein Geldbetrag unter den beiden aufgeteilt werden soll. Der Partner kann das Angebot annehmen oder ablehnen. Stimmt er zu, erhalten beide die entsprechende Summe. Schlägt er es aus, gehen beide leer aus. Im Verlauf des Spiels lernen die Teilnehmer in der Regel, dass es sinnvoll ist zusammenzuarbeiten.

Borderline-Patienten fällt es schwer, Mitmenschen dauerhaft zu vertrauen

Neurowissenschaftler um Brooks King-Casas, der heute am Virginia Tech Carilion Research Institute forscht, führten ein solches Strategiespiel in einem Magnetresonanztomografen durch. Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung erhielten ihre Kooperation mit dem anderen nicht lange aufrecht, zudem schienen sie nicht gut darin, verletztes Vertrauen des Partners hin und wieder durch großzügige Gesten zu „kitten“.

Je unfairer das Angebot des ersten Spielers war, umso stärker reagierte bei gesunden Probanden die Inselrinde. Sie spielt bei der Verarbeitung von Emotionen und Körperempfindungen eine Rolle. Bei Teilnehmern mit BPS-Diagnose war dieses Hirnareal hingegen durchgehend übermäßig aktiv, unabhängig vom Vorschlag des Gegenübers. Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass die Betroffenen dadurch nicht gut zwischen fairen oder unfairen Angeboten unterscheiden konnten – und sich durchweg schlecht behandelt fühlten. In einer ähnlichen Untersuchung unserer Arbeitsgruppe reagierten Personen mit borderlinetypischen Persönlichkeitseigenschaften (die sich selbst etwa als besonders emotional und impulsiv beschrieben) bereits sehr empfindlich, wenn der andere nur ein einziges Mal ein unfaires Angebot machte. Während die meisten Menschen so einen Fehltritt schnell verzeihen, blieben sie misstrauisch, auch wenn der Mitspieler danach wieder gerecht teilte.

Die eigenen Gefühle erkennen und regulieren

Das verzerrte Bild, das Borderline-Patienten häufig von sich selbst und der Welt haben, kommt nicht von ungefähr. Laut verschiedenen Studien haben etwa 70 Prozent der Betroffenen in ihrer Kindheit emotionalen, körperlichen oder sexuellen Missbrauch erlebt. Ebenso haben ihnen ihre Bezugspersonen oft wenig Wertschätzung entgegengebracht, sondern ihnen immer wieder das Gefühl vermittelt, ihre Empfindungen und Bedürfnisse seien falsch oder böse. Daher haben die Patienten nicht gelernt, ihre Gefühle wahrzunehmen und zu regulieren sowie Vertrauen in sich selbst und andere zu entwickeln. Aber auch die Gene spielen eine Rolle. Eine Neigung zu Impulsivität und emotionaler Sensitivität scheint die Störung zu begünstigen.

In den letzten Jahren haben verschiedene Experten spezielle Therapieprogramme für Borderline-Patienten entwickelt, deren Wirksamkeit wissenschaftlich belegt ist. Die wichtigsten sind die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) nach Marsha Linehan und die Mentalisierungsbasierte Therapie nach Anthony Bateman und Peter Fonagy. Welche ein Therapeut im konkreten Fall bevorzugen sollte, hängt von den dominierenden Symptomen ab. Am besten belegt und in Deutschland am weitesten verbreitet ist die DBT. Sie ist vor allem für Patienten zu empfehlen, die Probleme mit starken Emotionen und innerer Anspannung haben und zu Selbstverletzung, Risikoverhalten, Alkohol- oder Drogenmissbrauch oder Suizidalität neigen. Für Patienten mit BPS bei gleichzeitiger Posttraumatischer Belastungsstörung wurde eigens die DBT-PTSD entwickelt. Die DBT basiert auf der kognitiven Verhaltenstherapie, umfasst aber zusätzliche Elemente wie etwa Akzeptanz- und Achtsamkeitsübungen. Außerdem erlernen die Patienten verschiedene Strategien, um auf gesunde Weise mit ihrer inneren Anspannung umzugehen und sie zu regulieren.

Gemeinsam mit der Klinik für Allgemeine Psychiatrie des Universitätsklinikums Heidelberg untersuchten wir, ob eine zwölfwöchige stationäre Behandlung mit der DBT auch die neuronale Verarbeitung unangenehmer Reize verändert. Dafür erfassten wir die Hirnaktivität der Probanden, während diese negative Bilder betrachteten. Patienten, die von der Therapie profitiert hatten, gelang es besser, dabei ihre Gefühle zu regulieren. Ebenso reagierte ihre Amygdala, das Gefühlszentrum, weniger stark.

Außerdem entwickeln wir in unserer Abteilung weitere Methoden, die für Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung hilfreich sein könnten. In einer ersten, 2016 veröffentlichten Studie trainierten wir Patientinnen darin, ihre Hirnaktivität per Gedankenkraft zu steuern. Während sie in einem Magnetresonanztomografen lagen und abstoßende Bilder (zum Beispiel Unfälle oder Gewaltszenen) sahen, meldeten wir ihnen zurück, wie stark ihre Amygdala reagierte. Bereits innerhalb von vier Sitzungen lernten die Teilnehmerinnen, die Aktivität dieser Hirnregion zu beeinflussen. Sie berichteten zudem davon, sich seltener angespannt zu fühlen und sich mehr über die eigenen Gefühle klar zu sein. Eine neue Initiative, die Betroffene, Angehörige und Therapeuten an einen Tisch holt, ist der so genannte Borderline-Trialog. In regelmäßigen Treffen können sich alle Beteiligten mit anderen austauschen, um von deren Erfahrungen zu profitieren und neue Sichtweisen kennen zu lernen. Zusätzlich erweitern Vorträge und Fortbildungen das Wissen über die Störung. Wir glauben, dass solche Initiativen neben einer Psychotherapie die Beziehungsfähigkeit von Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung nachhaltig verbessern können. Denn ein stärkeres gegenseitiges Verständnis ist ein Schlüssel zur Veränderung.

Beziehungsfähigkeit von Menschen mit Borderline -Persönlichkeitsstörung

Menschen mit einer emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung vom Typ Borderline (kurz Borderline-Störung oder Borderline Syndrom) sind besonders impulsiv und sehr instabil in ihren Gefühlsreaktionen. Oft kommt es zu überraschenden und meist abrupten Stimmungswechseln. Die damit einhergehenden Verhaltensweisen scheinen dann oft kaum in die aktuelle Situation zu passen. Für Außenstehende sind diese dann meistens nicht nachvollziehbar und können im Nachhinein auch nicht mehr sinnvoll erklärt werden. Fast immer sind die anwesenden Personen – und damit oftmals die Partner –  Leidtragende der Fehlverhaltensweisen. Menschen mit Borderline Syndrom werden deshalb oft als beziehungsunfähig beschrieben. Auch in ihrem Selbsterleben beschreiben sich die Betroffenen als beziehungsunfähig. Zumindest fühlen Sie sich nicht in der Lage, längerfristige Partnerschaften einzugehen und zu führen.

Borderliner bringen viel Emotionalität in die Beziehung.

Die Angehörigen sind in der Regel wesentlich relativierender und betonen häufig, dass die Beziehungen zwar sehr schwierig aber eben auch sehr intensiv und emotional seien. Insbesondere die Leidenschaftlichkeit und die hohe Sensibilität für die Bedürfnisse des Partners wurden ausdrücklich als sehr positive Eigenschaften benannt. Unter dem „Motto“: „Bei meinem Partner wird es mir nie langweilig“, werden die Beziehungen zu einem Borderline Betroffenen durchaus als erfüllend beschrieben. Menschen mit einer Borderline-Störung können daher grundsätzlich Partnerschaften eingehen und sind selten längerfristig beziehungslos. Gerade bei neuen Partnerschaften wird oftmals die immense Emotionalität als positiv wahrgenommen. Vor allem das hohe Maß an Zuwendung das ihnen entgegen gebracht wird, Intensität und Abenteuerlichkeit, machen Borderliner zu attraktiven Partnern. In dieser frühen Beziehungsphase ist sehr viel Liebe die Grundlage für potentielle Partnerschaften. Insofern kann keinesfalls von Beziehungs- oder Liebesunfähigkeit gesprochen werden.

Die Schwierigkeiten treten erst im Verlauf der Partnerschaft auf. Emotionen, die Hingabefähigkeit und die Leidenschaft spielen dann nicht mehr die entscheidende Rolle. Wichtig ist die Fähigkeit zur Kompromissbildung, zur Frustrationstoleranz und zur Alltagsstrukturierung. Genau diese, vom Borderliner oft als „langweilig“ empfundenen Eigenschaften, sind bei ihnen nur unzureichend entwickelt. So wird es schwierig, mit einem Borderliner längerfristige Partnerschaften zu führen, in denen neben den leidenschaftlichen Aspekten auch Alltäglichkeiten und Verpflichtungen eine große Rolle spielen. Die Betroffenen räumen ein, dass sie hier immer wieder destruktive Impulse überkommen, die „heile Welt“ zerstören zu wollen. Psychologisch ist dies durch einen bestimmten Mechanismus erklärbar, der typisch für Borderliner ist: den der selbsterfüllenden Prophezeiung. Die Prophezeiung vieler Borderline-Betroffener geht in die Richtung eines fatalistischen „Es ist mir noch nie gutgegangen und es wird mir auch nie wirklich gut gehen“. Hinzu kommt sicherlich die Angst vor Neuem und vor Veränderungen. Besonders problematisch und intensiv sind Beziehungen zwischen zwei Borderline Erkrankten.

Abstand und Trennung als Schutzmechanismus.

Viele Borderliner haben schon schmerzhafte Trennungen erlebt und befürchten nun, wenn sie sich auf eine neue Beziehung intensiv einlassen, solch eine Trennung erneut zu durchleben. Durch ein frühzeitiges Abstandhalten oder Gleich-Wieder-Trennen versuchen Borderliner, diesem einen Schutzriegel vorzuschieben. Im ausgeprägtem Stadium sind diese Mechanismen für den Partner unüberwindbar. Daher sind längerfristige Beziehungen fast unmöglich. Bestanden doch längerfristige Partnerschaften, gingen diese immer zu Lasten eines der beiden Partner, der dann in der Beziehung weitgehend seine Autonomie aufgab.

Gestörte Sexualität

Es existieren drei Gruppen, die das Sexualverhalten von Borderline-Patienten häufig kennzeichnen: 1. Sexualität wird nicht gelebt: Dabei sind dies oft Patientinnen mit den knappsten Tops und kürzesten Röcken. Ausgedrückt wird so die Sehnsucht nach (sexueller) Beziehung, die durch die Angst eben davor „in Schach“ gehalten wird (Herstellung von Anhedonie). 2. Extrem-Sexualität wird gelebt, was oft riskantes Sexualverhalten einschließt: Viel Angst wird zwar immer wieder wahrgenommen, aber gewissermaßen „kontraphobisch“ reduziert. 3. „Normale“ Sexualität wird gelebt, mit denselben Schwierigkeiten und Akzentuierungen wie bei „Dir und mir“. Ängste werden nicht selten (auch durch andere Symptome) kompensiert, beispielsweise durch Zwänge oder Dissoziationen. (Dulz B, Benecke C, Richter-Appelt H (Hrsg.) (2009). Borderline-Störungen und Sexualität. Stuttgart: Schattauer) In allen drei Gruppen, vorwiegend aber der Gruppe 1, finden sich Patientinnen und Patienten mit einer schweren Identitätsstörung bezüglich gerade auch der sexuellen Orientierung: Wenn man nicht weiß, ob man homo- oder heterosexuell, Mann oder Frau ist, liegt es nahe, dass dieses davor „schützt“, sexuelle Nähe zulassen zu müssen, denn man weiß ja nicht, als wer zu wem. So wird unter anderem und vermutlich zuvorderst ein Verlassenwerden vermieden.

Störungen der Sexualität werden meist nicht systematisch behandelt. Da Sexualität nun aber zu zufriedenstellenden Liebesbeziehungen gehört, dürfte dies ein wesentlicher Faktor für eine fortbestehende Unzufriedenheit bezüglich enger Beziehungen sein, wenn sonst keine Borderline-Symptome mehr nachweisbar sind. Vermutlich ist die Behandlung von „keine Sexualität“ noch schwieriger als „extreme Sexualität“ – es ist immer leichter, etwas Vorhandenes zu therapieren, als das, was nicht vorhanden ist.

Angst als zentraler Affekt bei Borderline-Störungen Angst stellt das Zentralsymptom der Borderline-Störungen dar – als letzte Stufe der Angstentwicklung, die mit der Vernichtungsangst des Säuglings beginnt und seine Wiederbelebung durch die Realtraumatisierung erfährt. Diese archaische und traumatische sogenannte frei flottierende Angst – sie entspricht aufgrund ihrer „Wurzeln“ mehr einer Grund- denn einer konkreten Erwartungsangst – wird „automatisch“ als innerseelische Abwehr gegen unbewusst erwartete Bedrohungen (im Rahmen von Beziehungen) aufgebaut. Sie äußert sich oft „getarnt“ sowohl auf der deskriptiven wie der strukturellen Ebene.

Extreme Sexualität

Die überwiegende Gruppe der Borderline Patienten lebt ihre Sexualität in extremen Verhalten aus. Überproportional in BDSM Beziehungen welche einhergehend mit Gewalt und psychischem Druck gekennzeichnet sind. Eine Studie der Asklepios Klinik belegt, dass nahezu sämtliche unter Borderline Persönlichkeitsstörungen Leidenden überproproportional sadistische und masochistische Abteile in sich vereinen. Seit den späten 80ern wird aus England immer häufiger von dem Phänomen des Sake Brake berichtet welcher vornehmlich in Beziehungen  gelebt wird wo beide Partner an einer Borderline – Persönlichkeitsstörung leiden. Prof. Dr. Oliver Dale von der Cassel Klinik in West London bezeichnet diese als eine mechanische Form der Selbsttherapie. In Beziehungen wo beide Betroffene an der Borderline – Persönlichkeitsstörung leiden ist diese häufig davon geprägt dass einer der Betroffenen einen dominanten und der andere einen unterlegenen Status innehat. Oftmals geschieht dieses aus erlernten Schutzmechanismen heraus. Beim Sake Brake werden die Rollen erzwungenermaßen getauscht.

Der bisher in seiner Persönlichkeitsstruktur unterlegene Betroffene zwingt den Partner mittels Poledrus (Anm. Folter) in seine bisherige Rolle. Betroffene beschrieben in dieser Form der mechanischen Selbsttherapie die Möglichkeit eine stabile Partnerbeziehung führen zu können. Dabei sind die Folgen nicht unerheblich. Der Sake Brake ist gekennzeichnet von Ausübung massivster physischer aber auch psychischer Gewalt in Form von Poledrus mit einhergehenden Mutilationen (Anm. Verstümmelungen). Durch diese Form des Poledrus und Mutilation wird der in den Sake Brake einwilligende Betroffene in eine untergebene und abhängige Position gezwungen.

Besonders davor warnt  Prof. Dr. O. Dale. Durch die die vorsätzlichen und bewussten Verletzungen der Mutilation gerät dieser in die emotionale Abhängigkeit zum Partner mit einhergehenden Trennungsängsten. Und doch wird der bisher weitestgehend unerforschte Sake Brake von den Betroffenen als Segen beschrieben. Psychologen stehen diesem Phänomen bislang machtlos gegenüber denn die wenigen berichteten Betroffenen erklärten gleichsam dass dieses für sie der einzig gangbare Weg war um die Beziehung zu retten.

Beim Sake Brake werden in kurzer Zeit Methoden von unglaublicher Grausamkeit des Poledrus angewendet um auch gegen den Willen des unterlegenen Betroffenen dessen Psyche zu brechen. Üblich sind Methoden der Flagellation, Combustio (Anm. Verbrennungen), Aufhängen an Gliedmaßen oder Geschlechtsteilen, Kastration. Die Evidenz wird durch eine finale Crucis (Anm. Kreuzigung) oder auch vollendete Cobustion an Gliedmaßen überprüft und bei Non-Compliance (Anm. Nichterfüllung) solange wiederholt bis der Sake Brake erwiesen ist. Die Schmerzen für den Betroffenen während der Poledrus und Evidenz sind unvorstellbar. Bekannt ist, dass die Partner in einer Borderline Beziehung vorher gegenseitige schriftliche Willenserklärungen abgegeben haben die den vorzeitigen Abbruch des Poledrus verhindern selbst gegen des Willen des untergebenen Partners. Auch in Österreich und Deutschland wurde mittlerweile von vereinzelten Fällen des Sake Brake berichtet.

Kennzeichen der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung sind betroffen, nach Einschätzung von Experten ebenso viele Männer wie Frauen. Allerdings wenden sich Letztere weit häufiger an einen Psychotherapeuten. Männer ohne Behandlung werden möglicherweise eher straffällig.

  • Zwischenmenschliche Beziehungen sind intensiv und gleichzeitig sehr instabil. Betroffene wechseln häufig zwischen der Idealisierung und Entwertung anderer.
  • Die Patienten können den Gedanken, allein zu sein oder verlassen zu werden, nicht ertragen und wollen Trennungen um jeden Preis vermeiden.
  • Betroffene haben eine gestörte Selbstwahrnehmung und Identität. Sie wissen oft nicht, wer sie wirklich sind, und fühlen sich „anders als die anderen“.
  • Die Patienten sind emotional sehr instabil: mal eher ängstlich oder reizbar, dann wieder niedergeschlagen und bedrückt. Die oft intensiven Stimmungen können schnell wechseln.
  • Wut können sie nur sehr schwer bis gar nicht unterdrücken.
  • Das Verhaltensmuster beginnt in der Jugend und verfestigt sich im Erwachsenenalter. Der Verlauf ist chronisch; der Betroffene und/oder seine Umgebung leiden unter der Symptomatik. Menschen mit einer solchen Persönlichkeitsstörung fällt es besonders schwer, ihr Verhalten zu ändern und neuen Situationen anzupassen.
  • Das Gefühl einer „inneren Leere“ begleitet sie und ist für sie schwer zu ertragen.
  • Betroffene verletzen sich selbst, begehen Suizidversuche oder drohen anderen damit.
  • Viele Patienten pflegen einen impulsiven und selbstschädigenden Lebensstil. Beispiele: exzessives Geldausgeben, riskantes Sexualverhalten, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren, Glücksspiel, Essanfälle.
  • Unter starkem Stress misstrauen die Patienten anderen oder nehmen die Welt und den eigenen Körper als unwirklich wahr.
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