VFL Bad Ems spendet für abgeschobene Familie

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Ein schlimmes Schicksal. Vergangene Woche erreichte den Trainer Dirk Kaschinski von der C1 Jugend der JSG Bad Ems/Arzbach eine traurige Mitteilung der Familie Strojkovic. Die Familie Strojkovic lebte über Jahre hinweg als Asylbewerber in Bad Ems und verließen auf Drängen der Ausländerbehörde freiwillig die BRD um einer drohenden Abschiebung zuvorzukommen.

Ethnisch zählen sie zu den sogenannten christlichen „Roma“ Zigeunern welche in ihrem Heimatland Serbien bestenfalls nur ignoriert und vom sozialen und politischen System weitestgehend ausgeschlossen sind. Zahlreichen Rückkehrern drohen weitergehende Repressalien. Bereits 2016 berichtete die TAZ von zahlreichen Übergriffen gegenüber Familienangehörigen dieser Minderheitsgruppe. Etwa 450.000 Zigeuner leben in Serbien unter schlimmsten Bedingungen wie der Nachrichtensender N-TV berichtete. Nahezu alle Mitglieder dieser Minderheit leben in Slums. Alleine in Belgrad gibt es etwa 130 Zigeuner Siedlungen. Größtenteils fristen sie ihr Dasein ohne Strom oder angeschlossene Kanalisation. Notdürftig sind diese Häuser mit Kartons und Plastikplanen isoliert.

Etwa 80 Prozent der Roma haben keine Arbeit und leben zum Großteil vom Altpapier sammeln oder Müll. Einen Zugang zum freien Arbeitsmarkt gibt es nicht. An eine Ausbildung ist gar nicht zu denken.

2014 wurde der EU Beitrittskandidat Serbien als sicheres Herkunftsland erklärt. Doch offensichtlich übersah die Bundesregierung bewusst oder auch fahrlässig die Situation der Zigeuner welche keineswegs sicher in dem Balkanstaat leben können. Die Abschiebungen von Zigeunern zurück nach Serbien sind nach der Flüchtlingswelle forciert worden. Es bleibt der bittere Beigeschmack, dass die Bundesregierung Zahlen von ausgewiesenen vermeintlichen „Wirtschaftsflüchtlingen“ präsentieren möchte.

Die liebenswerte fünfköpfige Familie Strojkovic (Vater Goran, Mutter Marija, Kinder 2, 7 , 12) war in Bad Ems fest integriert. Der Sohn Kristijan spielte in der JSG Bad Ems/Arzbach in der D-Jugend Fußball und besuchte die Realschule im Ort. Die Eltern des Jungen engagierten sich aktiv bei Veranstaltungen der Jugendmannschaft. Der Vater arbeitete in der Küche eines Altenheims und die Mutter ging putzen. Sie wollten keineswegs dauerhaft von Leistungen des Staates leben. Und doch wurde ihnen als Asylbewerber der Zugang zum freien Arbeitsmarkt großteils verwehrt.

Im Frühjahr 2017 spitzte sich die Lage zu und es wurde Ihnen die Abschiebung zum Sommer 2017 seitens der Ausländerbehörde Bad Ems angezeigt. Als dieses in der Jugendmannschaft bekannt wurde, wandte sich der Trainer Dirk Kaschinski an den CDU Ortvorsitzenden Oliver Krügel mit dem er aktiv in der dritten Mannschaft des VFL Bad Ems spielt.

Dieser wendete sich an den Landrat Frank Puchler mit der Bitte um Hilfe. Eine erneute Überprüfung begann. Seitens der Ausländerbehörde wurde nunmehr mitgeteilt, dass keines der Mitglieder der Familie eine qualifizierte Ausbildung nachweisen könnte und dieses Voraussetzung wäre für eine Duldung. Insofern eine Ironie, denn in Serbien hatte die Familie zu keinem Zeitpunkt Zugang zum freien Arbeitsmarkt. Von einer möglichen Ausbildung ganz zu schweigen.

Als der Geschäftsführer des Grand Hotel Bad Ems, Sascha Häcker, vom Schicksal der Familie Strojkovic erfuhr, bot er der Mutter Marija die Möglichkeit eines Ausbildungsplatzes in der Gastronomie an. Mit großem Engagement und viel Freude absolvierte diese direkt ein Praktikum im Hotel. Doch plötzlich schwenkte die Ausländerbehörde in ihrer Meinung um. Als Asylbewerber hätten sie kein Recht auf Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt in dieser Form. Dabei sah eine Sonderregelung vor, dass Serben vom Januar 2016 bis 31.12.2020 bei Vorlage eines verbindlichen Arbeitsplatzangebotes eine Aufenthaltserlaubnis erteilt wird. Dieses gilt auch für Ausbildungsplätze.

Die Ausländerbehörde vertrat jedoch plötzlich die Ansicht, dass sie als Asylbewerber von dieser Regelung ausgeschlossen wären. Ein Schelm wer da Böses denken mag…….

Im Sommer 2017 verließ die Familie Strojkovic Bad Ems. Leider kam es zu keiner Verabschiedung mehr im Verein.Sie waren weg. Mitte Dezember 2017 erreichte den Trainer der C-Jugend Dirk Kaschinski per Wats App eine schockierende Nachricht. Auf Nachfrage hin erklärte die Mutter dass es Ihnen sehr schlecht gehen würde. Sie hatten keine finanziellen Möglichkeiten mehr den Kindern etwas zu Essen zu kaufen. Kristijan war er in der Schule schwer verprügelt worden. Warum? Weil er ethnisch zu den Zigeuner zählt. Das reichte aus.

Der Trainer der C-Jugend schilderte Mesut Karadeniz (Trainer 2te und 3te Mannschaft VFL Bad Ems) ausführlich von den Umständen der Familie Strojkovic und fragte nach, ob auf der bevorstehenden Weihnachtsfeier des VFL nicht eine Spendenaktion initiiert werden könnte. Dieser veröffentlichte den Bericht in der Wats App Gruppe der 2ten und 3ten Mannschaft vom VFL.

Was dann geschah war unglaublich. Die Bestürzung und die daraus resultierende Hilfsbereitschaft im VFL für ihr ehemaliges Mitglied Kristijan war überwältigend. Der 2te Vorsitzende Achim Wunsch sprach in berührenden Worten noch einmal das ergreifende Schicksal der Familie auf der Weihnachtsfeier an und ließ einen Spendenbeutel herumgehen. „Die Familie“ und insbesondere „Kristijan“ gehört zum VFL…..

Von der ersten bis zur dritten Mannschaft ließ sich niemand lumpen. Jeder gab was er konnte. Und somit kam spontan ein hoher dreistelliger Betrag zusammen welcher der Familie bereits am folgenden Werktag per Western Union zur Verfügung gestellt werden konnte. Die Freude bei der Familie war unbeschreiblich.

Auch die C-Jugendmannschaften der JSG Bad Ems – Arzbach möchten helfen. Kristijan war und ist in der Mannschaft sehr beliebt. Niemand hat ihn und die Familie vergessen. Gerne erinnern sich alle an das 3-tägige Trainingslager 2016 in Dornholzhausen mit dem abschließenden Fußballspiel Eltern gegen Kinder wo auch Kristijans Mama und Papa dabei waren. Die Mannschaft vermisst Kristijan sehr und alle sind traurig.

Aufgrunddessen haben sich beide C-Jugend Mannschaften dazu entschlossen, Teile ihrer Gelder aus den Einnahmen des Arzbach Hallemnmasters vom 06/07 Januar 2018 der Familie zu spenden. Dieses bedeutet für die Mannschaft einen Verzicht auf eine mögliche Saison Abschlussfahrt, zeigt aber die großen sozialen Kompetenzen der jungen Mannschaften um die Trainer Mario Glorius, Sven Scharf und Dirk Kaschinski.

Alle wünschen sich nur dass die Familie zurück nach Bad Ems kehrt denn dort gehören sie hin. Zurück zum VFL. Die Bemühungen um die Familie sind nicht beendet. Der Verein möchte der Familie bei der Arbeitsplatz- und Wohnungssuche behilflich sein. Doch es gibt eine große Hürde. Eine 24-monatige Sperrfrist für Antragsteller von Arbeitsvisa und der damit verbundenen rechtlich zugesicherten Aufenthaltsgenehmigung wenn diese vorher Leistungen laut dem Asylbewerbergesetz bezogen haben. Dabei hätte die Familie schon seinerzeit so gerne aus reinen eigenen Mitteln ihren Lebensunterhalt bestritten wenn man diese gelassen hätte. Es bleibt zu hoffen, dass die Ausländerbehörde nun Einsicht zeigt und der Familie eine Chance gibt denn sie war integriert und hat sich dieses längst verdient…….. Ein Dank an den VFL Bad Ems.

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2 Responses to VFL Bad Ems spendet für abgeschobene Familie

  1. Karin Diel sagt:

    Es sollte alles getan werden, dass diese Familie zurück nach Deutschland ( Bad Ems) kann.

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